Viele Menschen mit Migräne fragen sich:
Wann ist der richtige Zeitpunkt für mein Medikament?

Das ist nicht immer einfach.

  • Am Anfang einer Migräne sind die Beschwerden oft unterschiedlich.
  • Manchmal beginnt es mit Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit.
  • Die Schmerzen kommen erst später.
  • Anfangs fühlt sich der Schmerz oft nur wie ein diffuser Druck an.
  • Dann ist es schwer zu erkennen: Ist es wirklich Migräne oder ein anderer Kopfschmerz?

Deshalb sind viele unsicher.

Frühe oder späte Einnahme?

Es gibt zwei Möglichkeiten:

Späte Einnahme:

  • Man wartet ab, ob es wirklich Migräne ist
  • Man möchte nicht unnötig Medikamente nehmen
  • Besonders bei häufigen Attacken will man nicht zu viele Tabletten einnehmen

Frühe Einnahme:

  • Das Medikament wirkt oft schneller und besser
  • Wenn man zu lange wartet, kann die Wirkung schlechter sein

Wichtig: Nur nach der Schmerzstärke zu entscheiden reicht oft nicht aus.

Die Triptanschwelle

Es gibt eine Hilfe: die Triptanschwelle.

Damit können Sie Ihre Beschwerden besser einschätzen.

Sie bewerten zum Beispiel:

  • Wie stark ist der Schmerz?
  • Ist der Schmerz einseitig?
  • Ist er pulsierend oder pochend?
  • Wird er bei körperlicher Bewegung schlimmer?
  • Haben Sie Übelkeit oder Erbrechen?
  • Sind Sie licht- oder lärmempfindlich?

Am Ende erhalten Sie eine Punktzahl von 0 bis 10.

Diese Punktzahl hilft Ihnen zu entscheiden:
Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für das Medikament.

Was zeigen Studien?

Studien mit vielen Patienten zeigen:

  • Wenn das Medikament früh genommen wird (bei niedrigen Punkten)
    → wirkt es schneller
    → Schmerzen lassen schneller nach
    → man wird schneller schmerzfrei
  • Wenn man lange wartet (hohe Punktzahl)
    → dauert es länger, bis das Medikament wirkt

Außerdem:

  • Man braucht seltener zusätzliche Medikamente
  • Es gibt keine Nachteile bei Verträglichkeit oder Nebenwirkungen

Warum warten viele Patienten trotzdem?

Viele Menschen nehmen das Medikament zu spät, weil sie:

  • unsicher sind, ob es wirklich Migräne ist
  • hoffen, dass es von allein besser wird
  • Angst vor Nebenwirkungen haben
  • Angst vor zu vielen Medikamenten haben
  • generell Medikamente vermeiden möchten

Etwa 83 % der Patienten nehmen das Medikament erst bei starken Beschwerden. Dann wirkt es oft nicht mehr so gut wie bei früher Einnahme.

Wichtige Empfehlung

  • Es ist oft besser, das Medikament früh einzunehmen
  • Besonders dann, wenn die Beschwerden noch leicht sind
  • Die Triptanschwelle kann Ihnen helfen, den richtigen Zeitpunkt zu finden

Beachte: Eine gute Beratung durch die Ärztin oder den Arzt ist sehr wichtig.

Wichtige Regeln für Triptane

  • Nehmen Sie das Medikament in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Arzt frühzeitig ein (z. B. ab etwa 5 Punkten auf der Skala)
  • Die optimale Punktzahl (Schwelle) kann individuell variieren. Durch Vergleich der Wirkung bei verschiedenen Attacken kann man dies individuell austesten.
  • Nehmen Sie die volle empfohlene Dosis auf einmal, nicht in kleinen Portionen
  • Probieren Sie nicht vor dem Triptan erst ein Schmerzmittel
  • Wenn der Schmerz nach initialer Wirkung des Triptans wiederkehrt:
    → Das Triptan erneut einnehmen
    → maximal 2 Einnahmen in 24 Stunden
  • Wenn das Triptan initial nicht wirkt:
    → Das Triptan nicht erneut einnehmen
    → Verwenden Sie ein Ersatzmedikament; d.h. ein Schmerzmittel mit einem anderen Wirkmechanismus (kein Triptan).
  • Nehmen Sie Akutmedikamente zur Behandlung der Migräneattacke an weniger als an 10 Tagen im Monat ein.
  • Dadurch beugen Sie einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜK)) vor.
  • Verwenden Sie bei einer Attacke nur ein Triptan, mischen Sie nicht.

Quelle: Göbel, Hartmut: Die Kopfschmerzen. Ursachen, Mechanismen, Diagnostik, Therapie. 4. Auflage. Berlin: Springer, 2025.