Prof. Hartmut Göbel beantwortet im regelmäßigen Live-Chat für die Selbsthilfe-Community headbook.me Fragen rund um das Thema Migräne und Kopfschmerzen. Nachstehend finden Sie die Fragen und Antworten des letzten Live-Chats

 

    1. Profilbild von Robert
      Robert
      14. März 2016 um 12:10 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Göbel,

      vielen Dank für die Möglichkeit des Live-Chats hier mit Ihnen!

      Was ist eine gute innere Einstellung, sodass man gut mit seinen Kopfschmerzen leben und umgehen kann? Ich denke, dass die eigene Sicht auf die Dinge viel verändern kann. Und vor allem auch hin zum Positiven. Haben Sie dafür konkrete Vorschläge?

      Seit fast 4 Jahren habe ich den chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp und meine Therapie besteht derzeit aus Ausdauersport und der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen. Anfangs dachte ich, dass die Kopfschmerzen nach ein oder zwei Jahren nicht mehr da sein würden. Doch seit 2 Jahren verliere ich mehr und mehr den Glauben an ein kopfschmerzfreies Leben, wobei ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe und die Therapie weiter verfolge.

      Herzliche Grüße,

      Robert

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:19 Uhr – Bearbeiten

          Lieber Robert,

          chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp lässt sich in aller Regel nicht durch einfache Maßnahmen und oft schon gar nicht schnell beseitigen. Er würde nicht „chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp“ heißen, wenn er zeitlich schnell zu befristen wäre. Man muss sich tatsächlich also darauf einstellen, längerfristig mit dem Thema konfrontiert zu sein. Andererseits gibt es viele Möglichkeiten, dem Kopfschmerz aktiv etwas entgegenzusetzen. Wissen, Information, das Verstehen, wie der Kopfschmerz unterhalten wird und chronifizieren kann, Durchführung von Verhaltensmaßnahmen zur Vorbeugung, das Wissen bezüglich des richtigen Umgangs mit Medikamenten gehören dazu. Sehr häufig lässt sich dadurch der Kopfschmerz reduzieren und auch oft ganz beseitigen. Wie lange das dauert, ist jedoch offen. Es gibt keinen anderen Weg, als sich engagiert mit dem Thema auseinanderzusetzen und alles zu tun, damit die Kopfschmerzen weniger werden. Das Wissen dazu findet sich in den Headbook-Gruppen, dort werden auch weitere Quellen angegeben.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Luzilla
      Luzilla
      14. März 2016 um 12:11 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

      ich (62) leide seit meiner Jugend an Migräne (1-3 Mal pro Woche), diversen anderen Schmerzen und Depressionen.
      In einem Buch über Migräne habe ich gelesen, dass 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) gegen Migräne helfe und kaum Nebenwirkungen habe. Im gleichen Artikel wurde die Heilpflanze Griffonia simplifolia genannt. Mein Neurologe konnte mir nicht wirklich weiterhelfen. Er sagte mir, Tryptophan (er sprach nicht von 5 HTP) könne die Hirnschranke nicht überwinden.
      Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen würden, ob einer dieser Wirkstoffe (5HTP, Tryptophan, Griffonia) wirksam ist, sowie gegebenenfalls unter welchem Namen sie erhältlich sind, was bei der Einnahme zu beachten ist und ob eine Einnahme zusammen mit Triptanen zu Problemen führen kann.

      Besten Dank
      Luzilla

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:20 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Luzilla,

          5- Hydroxytryptophan ist eine Vorstufe für das Serotonin. Serotonin wird hauptsächlich in den Blutplättchen gespeichert. Die Serotoninspiegel, die man im Blut messen kann, sind nicht aussagekräftig für die Konzentration und die Aktivitäten des Serotonins in den Nervenzellen. Die Gabe von 5-Hydroxytryptophan wurde in früheren Studien bezüglich der Wirksamkeit für die Migränevorbeugung getestet. Eine Wirkung konnte dabei nicht gezeigt werden. Gleiches gilt auch für die von Ihnen genannte Heilpflanze. Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten, Migräne aktiv vorzubeugen. Dabei kann man auf viele bewährte und wissenschaftlich gesicherte Wirkstoffe zurückgreifen. Man muss also nicht selbst mit ungeprüften Möglichkeiten oder aber mit Optionen, für die die Wirksamkeit bereits ausgeschlossen ist, Versuche anstellen.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Tine
      Tine
      14. März 2016 um 12:11 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Göbel,
      herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

      Ich habe seit knapp drei Jahren Migräne, eine Ursache lässt sich bis jetzt nicht finden und ich nehme 10 x Maxalt im Monat, habe aber deutlich mehr Kopfschmerztage.
      Was mich besonders wundert und was mir bisher auch niemand erklären kann ist, dass ich jede Nacht nach etwa 6 Stunden Schlaf zwischen 4 und 5 Uhr mit einem schmerzhaften Druck in der Stirn (Kopfschmerz über den Augen, meist einseitig) wach werde. Wenn ich dann aufstehe, geht der Druck manchmal im Laufe der nächsten Stunde weg. Wenn das nicht gelingt oder ich nicht aufstehe, bekomme als Migräne. Maxalt würde helfen und mich auch länger schlafen lassen, mir ist aber klar, dass ich das dafür nicht einnehmen darf.

      Welche Ursache kann das nächtliche Zusetzen haben (der HNO Befund ist unauffällig) und wie kann ich das noch anders behandeln oder dem vorbeugen?
      Meinem Arzt fällt nur noch die Behandlung mit Betablockern ein.

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:21 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Tine,

          die Migräne ist eine eigenständige Erkrankung, sie ist die Ursache der Kopfschmerzen selbst, sie benötigt keine andere Ursache. Ihre Beobachtung könnte bereits mit der Entstehung eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch zusammenhängen. Wenn Sie an 10 Tagen Maxalt im Monat einnehmen, besteht bereits eine Sensitivierung, das schmerzverarbeitende System stellt sich um, über Nacht lässt die Wirkung nach und Sie spüren bereits den Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch. Versuchen Sie eine Vorbeugung aufzubauen, damit Sie möglichst weniger Akutmedikamententage im Monat haben.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von lacoccinelle
      lacoccinelle
      14. März 2016 um 12:12 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

      nach einem Prophylaxewechsel von Topiramat zu Amitriptylin (35 mg) ging es mir
      zunächst die ersten vier Wochen nicht besser. Nachdem ich wieder begonnen habe
      4-5 Mal die Woche leichten Ausdauersport zu betreiben (Schwimmen und Laufen),
      habe ich nur noch ca. alle 8-10 Tage einen Migräne Anfall (über einen Tag).
      Wie kann so etwas sein? Ich versuche ein Muster zu erkennen, um in schlechteren
      Zeiten darauf zurückzugreifen können. Und: Ist eine weitere Aufdosierung sinnvoll?

      Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühe.

      Viele Grüße
      Stefanie

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:22 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Stefanie,

          eine neue Prophylaxe sollte in der Regel über einen Zeitraum von mind. 8 Wochen bewertet werden. Es kommt ja darauf an, die Kopfschmerztage zu zählen und deren Änderung dann in Hinblick auf die Zeit zuvor zu bewerten. Amitriptylin wirkt auch in der Regel erst nach etwa 4-6 Wochen. Insofern ist die bemerkte Änderung nach der beschriebenen Zeitdauer nicht unüblich. Die Verbindung der medikamentösen Vorbeugung mit Schwimmen und Laufen zeigt erfahrungsgemäß deutlich bessere Ergebnisse, sodass die Wirkung des Medikamentes durch Ihr Verhalten mit unterstützt wird. Eine Aufdosierung kann bei guter Verträglichkeit sinnvoll sein und die Wirkung weiter verbessern.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Sabine
      Sabine
      14. März 2016 um 12:15 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
      ich nehme seit ca. 5,5 Jahren Saroten 50mg, die meine zu dem Zeitpunkt sehr schlimmen Attacken (ich leide an Migräne und Spannungskopfschmerz), in Häufigkeit und Schwere abgeschwächt haben und mir sehr gut geholfen haben. Da ich sehr zugenommen habe, riet mir mein Hausarzt dazu, andere Tabletten zu probieren. Vor etwa 15 Monaten wurde zuerst Metoprolol, dann Venlafaxin und zur Zeit Topiramat (2x50mg) zusätzlich zu Saroten aufdosiert. Leider hatten alle Tabletten keinen durchschlagenden Erfolg, sondern eher das Gegenteil war der Fall. Nach dem Absetzen ist die gute Wirkung von Saroten ist nicht mehr wie vorher. Mir geht es mittlerweile immer schlechter und meine Attacken kommen in immer kürzeren Abständen auch ohne merkliche Auslöser, so dass ich den Kopfschmerz auch aushalten muss (wg. MÜK). Zwischen den Versuchen dosierte ich Saroten bis auf 75mg, was aber nur wenig Besserung brachte. Auch meine Akutmittel (Zolmitriptan) brauche ich mittlerweile in 5mg statt 2,5 mg, mehrere Tage hintereinander.
      Meine Fragen wären:
      Kann die Verschlechterung der Wirkung von Saroten durch die anderen Tabletten hervorgerufen worden sein?
      Kann die ursprünglich gute Wirkung von Saroten wieder „zurückgewonnen“ werden?
      Wie hoch kann ich Saroten dosieren?
      Ich habe seit ca. 6 Monaten täglich immer wieder Übelkeit. Topiramat nehme ich jetzt „voll“ seit ca. 8 Monaten und hatte verschiedene starke Nebenwirkungen. Kann die Übelkeit an den Topiramat liegen?
      Was würden Sie mir raten?

      Vielen Dank für Ihre Zeit

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:24 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Sabine,

          wenn Sie sowohl an Migräne als auch an Spannungskopfschmerz leiden, benötigen Sie einen Wirkstoff, der für beide Kopfschmerzformen vorbeugend wirksam ist. Dies gilt tatsächlich für Amitriptylin. Metoprolol, Venlafaxin und Topiramat haben keine belegte Wirksamkeit beim Spannungskopfschmerz. Es kommt bei Ihnen jedoch darauf an, welche Kopfschmerzform im Vordergrund steht, ob man spezifisch eine Wirkung bezüglich der Migräne erzielen will und wie das Gesamtbild aussieht. Möglicherweise ist bei Ihnen mittlerweile tatsächlich eine Attackenfrequenzsteigerung eingetreten, Sie haben an mehr als 10 Tagen im Monat die Erfordernis für Akutmedikation und es ist ein weiterer Kopfschmerz, der Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, zusätzlich eingetreten. Das verkompliziert die Behandlung noch mehr. Es ist jetzt zunächst notwendig, den Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu behandeln. Dann erst wieder wird die Ausgangssituation vorzufinden sein und es muss eine Behandlung sowohl für die Migräne als auch für den Spannungskopfschmerz aufgebaut werden. Dann kann auch wieder die frühere Wirkung von Amitriptylin zurückgewonnen werden. Die alleinige Dosierung von Saroten zur aktuellen Situation wird das Problem nicht lösen, da zunächst der Medikamentenübergebrauchskopfschmerz wirksam behandelt werden muss. Die Weiterführung von Topiramat allein wird das Problem aller Voraussicht nach auch nicht lösen.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

            • Profilbild von Sabine
              Sabine
              14. März 2016 um 18:31 Uhr – Bearbeiten

              Migräne steht bei mir im Vordergrund. Wegen der Nebenwirkungen würde ich gerne Topiramat beenden. Was meinen Sie dazu?

    1. Profilbild von Karin Sommer
      Karin Sommer
      14. März 2016 um 12:15 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor

      ich war vor 2 Jahren bei Ihnen in Behandlung und mir wurde auch von anderen Neurologen eine chronische Migraene diagnostiziert, die seit 12 Jahren besteht. Da ich saemtliche Medikamente zur Vorbeugung (Topiramat, Valproinsaeure, Betablocker, Doxepin) schon ausprobiert habe, nehme ich nun seit 3 Monaten abends Amitryptilin 25 mg. Anfangs nahm ich 10mg Amitryptilin, das hochdosiert wurde auf 25mg.
      Meine Frage ist nun, reichen 25 mg als Prophylaxe, oder sollte es noch hoeher dosiert werden?Denn bis jetzt bemerke ich noch keinen Unterschied bzgl der Anfaelle. Ein Muek ist ausgeschlossen.

      Vielen Dank
      Karin

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:25 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Karin,

          25 mg Amitriptylin gilt in der Regel als untere Dosierung. Bei guter Verträglichkeit und Anstreben einer höheren Wirkung kann auf mittlere Dosierungen von 50-75 mg aufdosiert werden. Manche Patienten benötigen auch Dosierungen bis zu 150 mg. Das Medikament wird ganz unterschiedlich aufgenommen, sodass es keine Standarddosierung gibt und man individuell die optimale Dosierung herausfinden muss.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Konstanze
      Konstanze
      14. März 2016 um 12:23 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

      ich habe zwischen 17 und 20 Migränetage im Monat (zusätzlich habe ich noch Epilepsie und Fibromyalgie). Z.Z. probieren wir Cefaly und Botulinumtoxin aus. Die erste Gabe von Botulinumtoxin erhielt ich vor zwei Monaten. Es hat sich nicht viel geändert. Wie viel Versuche gibt man diesem Medikament? Gibt es eine Alternative dazu?

      Vorab herzlichen Dank für Ihre Hilfe.
      Mit freundlichem Gruß
      Konstanze

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:27 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Konstanze,

          die Behandlung der chronischen Migräne mit Botulinumtoxin kann bei wiederholter Anwendung eine verbesserte Wirkung erzielen. In der Regel versucht man 2 oder auch 3 Zyklen. Wird dann jedoch keine Wirkung erreicht, sollte man diese Behandlung aufgeben. Es ist immer darauf zu achten, dass Botulinumtoxin allein eine Veränderung nicht herbeiführen kann, sondern auch immer eine intensive Anpassung des Verhaltens erforderlich ist. Im medikamentösen Bereich gibt es bei der chronischen Migräne derzeit keine zugelassene Alternative zu Botulinumtoxin.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Mani
      Mani
      14. März 2016 um 12:23 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Hr. Prof. Göbel
      War letztes Jahr in Februar in der Schmerzklinik Kiel , machte dort eine Medikamentenpause vom Triptan die ich zuhause noch 4 Wochen durch gehalten habe. Bekam nach der Entlassung von der Klinik dann Mirtazapin 15mgverschrieben, nahm die Tabletten ca. 6 Monate, zur Akutbehandlung bekam ich Relpax 40mg+Naproxen 500mg, die Schmerztage verringerten sich von vor der Pause von 15-18Tage auf ca. 8-10 Tage nach der Medikamentenpause, hatte aber immer noch das Problem das meine Migräne immer bis zu 72 Std. oder länger dauert, daher stellte mich Dr. Tomforde auf Naramig 2,5mg + Naproxen 500 bzw. auch auf Arcoxia90mg um da dieses Triptan eine längere Zeit anhalten sollte, funktioniert soweit manchmal gut. Außer dass das Naramig nicht so schn