Prof. Hartmut Göbel beantwortet im regelmäßigen Live-Chat für die Selbsthilfe-Community headbook.me Fragen rund um das Thema Migräne und Kopfschmerzen. Nachstehend finden Sie die Fragen und Antworten des letzten Live-Chats

 

    1. Profilbild von Robert
      Robert
      14. März 2016 um 12:10 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Göbel,

      vielen Dank für die Möglichkeit des Live-Chats hier mit Ihnen!

      Was ist eine gute innere Einstellung, sodass man gut mit seinen Kopfschmerzen leben und umgehen kann? Ich denke, dass die eigene Sicht auf die Dinge viel verändern kann. Und vor allem auch hin zum Positiven. Haben Sie dafür konkrete Vorschläge?

      Seit fast 4 Jahren habe ich den chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp und meine Therapie besteht derzeit aus Ausdauersport und der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen. Anfangs dachte ich, dass die Kopfschmerzen nach ein oder zwei Jahren nicht mehr da sein würden. Doch seit 2 Jahren verliere ich mehr und mehr den Glauben an ein kopfschmerzfreies Leben, wobei ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe und die Therapie weiter verfolge.

      Herzliche Grüße,

      Robert

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:19 Uhr – Bearbeiten

          Lieber Robert,

          chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp lässt sich in aller Regel nicht durch einfache Maßnahmen und oft schon gar nicht schnell beseitigen. Er würde nicht „chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp“ heißen, wenn er zeitlich schnell zu befristen wäre. Man muss sich tatsächlich also darauf einstellen, längerfristig mit dem Thema konfrontiert zu sein. Andererseits gibt es viele Möglichkeiten, dem Kopfschmerz aktiv etwas entgegenzusetzen. Wissen, Information, das Verstehen, wie der Kopfschmerz unterhalten wird und chronifizieren kann, Durchführung von Verhaltensmaßnahmen zur Vorbeugung, das Wissen bezüglich des richtigen Umgangs mit Medikamenten gehören dazu. Sehr häufig lässt sich dadurch der Kopfschmerz reduzieren und auch oft ganz beseitigen. Wie lange das dauert, ist jedoch offen. Es gibt keinen anderen Weg, als sich engagiert mit dem Thema auseinanderzusetzen und alles zu tun, damit die Kopfschmerzen weniger werden. Das Wissen dazu findet sich in den Headbook-Gruppen, dort werden auch weitere Quellen angegeben.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Luzilla
      Luzilla
      14. März 2016 um 12:11 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

      ich (62) leide seit meiner Jugend an Migräne (1-3 Mal pro Woche), diversen anderen Schmerzen und Depressionen.
      In einem Buch über Migräne habe ich gelesen, dass 5-Hydroxytryptophan (5-HTP) gegen Migräne helfe und kaum Nebenwirkungen habe. Im gleichen Artikel wurde die Heilpflanze Griffonia simplifolia genannt. Mein Neurologe konnte mir nicht wirklich weiterhelfen. Er sagte mir, Tryptophan (er sprach nicht von 5 HTP) könne die Hirnschranke nicht überwinden.
      Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mir sagen würden, ob einer dieser Wirkstoffe (5HTP, Tryptophan, Griffonia) wirksam ist, sowie gegebenenfalls unter welchem Namen sie erhältlich sind, was bei der Einnahme zu beachten ist und ob eine Einnahme zusammen mit Triptanen zu Problemen führen kann.

      Besten Dank
      Luzilla

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:20 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Luzilla,

          5- Hydroxytryptophan ist eine Vorstufe für das Serotonin. Serotonin wird hauptsächlich in den Blutplättchen gespeichert. Die Serotoninspiegel, die man im Blut messen kann, sind nicht aussagekräftig für die Konzentration und die Aktivitäten des Serotonins in den Nervenzellen. Die Gabe von 5-Hydroxytryptophan wurde in früheren Studien bezüglich der Wirksamkeit für die Migränevorbeugung getestet. Eine Wirkung konnte dabei nicht gezeigt werden. Gleiches gilt auch für die von Ihnen genannte Heilpflanze. Es gibt heute sehr viele Möglichkeiten, Migräne aktiv vorzubeugen. Dabei kann man auf viele bewährte und wissenschaftlich gesicherte Wirkstoffe zurückgreifen. Man muss also nicht selbst mit ungeprüften Möglichkeiten oder aber mit Optionen, für die die Wirksamkeit bereits ausgeschlossen ist, Versuche anstellen.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Tine
      Tine
      14. März 2016 um 12:11 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Göbel,
      herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

      Ich habe seit knapp drei Jahren Migräne, eine Ursache lässt sich bis jetzt nicht finden und ich nehme 10 x Maxalt im Monat, habe aber deutlich mehr Kopfschmerztage.
      Was mich besonders wundert und was mir bisher auch niemand erklären kann ist, dass ich jede Nacht nach etwa 6 Stunden Schlaf zwischen 4 und 5 Uhr mit einem schmerzhaften Druck in der Stirn (Kopfschmerz über den Augen, meist einseitig) wach werde. Wenn ich dann aufstehe, geht der Druck manchmal im Laufe der nächsten Stunde weg. Wenn das nicht gelingt oder ich nicht aufstehe, bekomme als Migräne. Maxalt würde helfen und mich auch länger schlafen lassen, mir ist aber klar, dass ich das dafür nicht einnehmen darf.

      Welche Ursache kann das nächtliche Zusetzen haben (der HNO Befund ist unauffällig) und wie kann ich das noch anders behandeln oder dem vorbeugen?
      Meinem Arzt fällt nur noch die Behandlung mit Betablockern ein.

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:21 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Tine,

          die Migräne ist eine eigenständige Erkrankung, sie ist die Ursache der Kopfschmerzen selbst, sie benötigt keine andere Ursache. Ihre Beobachtung könnte bereits mit der Entstehung eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch zusammenhängen. Wenn Sie an 10 Tagen Maxalt im Monat einnehmen, besteht bereits eine Sensitivierung, das schmerzverarbeitende System stellt sich um, über Nacht lässt die Wirkung nach und Sie spüren bereits den Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch. Versuchen Sie eine Vorbeugung aufzubauen, damit Sie möglichst weniger Akutmedikamententage im Monat haben.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von lacoccinelle
      lacoccinelle
      14. März 2016 um 12:12 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

      nach einem Prophylaxewechsel von Topiramat zu Amitriptylin (35 mg) ging es mir
      zunächst die ersten vier Wochen nicht besser. Nachdem ich wieder begonnen habe
      4-5 Mal die Woche leichten Ausdauersport zu betreiben (Schwimmen und Laufen),
      habe ich nur noch ca. alle 8-10 Tage einen Migräne Anfall (über einen Tag).
      Wie kann so etwas sein? Ich versuche ein Muster zu erkennen, um in schlechteren
      Zeiten darauf zurückzugreifen können. Und: Ist eine weitere Aufdosierung sinnvoll?

      Vielen Dank im Voraus für Ihre Mühe.

      Viele Grüße
      Stefanie

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:22 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Stefanie,

          eine neue Prophylaxe sollte in der Regel über einen Zeitraum von mind. 8 Wochen bewertet werden. Es kommt ja darauf an, die Kopfschmerztage zu zählen und deren Änderung dann in Hinblick auf die Zeit zuvor zu bewerten. Amitriptylin wirkt auch in der Regel erst nach etwa 4-6 Wochen. Insofern ist die bemerkte Änderung nach der beschriebenen Zeitdauer nicht unüblich. Die Verbindung der medikamentösen Vorbeugung mit Schwimmen und Laufen zeigt erfahrungsgemäß deutlich bessere Ergebnisse, sodass die Wirkung des Medikamentes durch Ihr Verhalten mit unterstützt wird. Eine Aufdosierung kann bei guter Verträglichkeit sinnvoll sein und die Wirkung weiter verbessern.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Sabine
      Sabine
      14. März 2016 um 12:15 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor Göbel,
      ich nehme seit ca. 5,5 Jahren Saroten 50mg, die meine zu dem Zeitpunkt sehr schlimmen Attacken (ich leide an Migräne und Spannungskopfschmerz), in Häufigkeit und Schwere abgeschwächt haben und mir sehr gut geholfen haben. Da ich sehr zugenommen habe, riet mir mein Hausarzt dazu, andere Tabletten zu probieren. Vor etwa 15 Monaten wurde zuerst Metoprolol, dann Venlafaxin und zur Zeit Topiramat (2x50mg) zusätzlich zu Saroten aufdosiert. Leider hatten alle Tabletten keinen durchschlagenden Erfolg, sondern eher das Gegenteil war der Fall. Nach dem Absetzen ist die gute Wirkung von Saroten ist nicht mehr wie vorher. Mir geht es mittlerweile immer schlechter und meine Attacken kommen in immer kürzeren Abständen auch ohne merkliche Auslöser, so dass ich den Kopfschmerz auch aushalten muss (wg. MÜK). Zwischen den Versuchen dosierte ich Saroten bis auf 75mg, was aber nur wenig Besserung brachte. Auch meine Akutmittel (Zolmitriptan) brauche ich mittlerweile in 5mg statt 2,5 mg, mehrere Tage hintereinander.
      Meine Fragen wären:
      Kann die Verschlechterung der Wirkung von Saroten durch die anderen Tabletten hervorgerufen worden sein?
      Kann die ursprünglich gute Wirkung von Saroten wieder „zurückgewonnen“ werden?
      Wie hoch kann ich Saroten dosieren?
      Ich habe seit ca. 6 Monaten täglich immer wieder Übelkeit. Topiramat nehme ich jetzt „voll“ seit ca. 8 Monaten und hatte verschiedene starke Nebenwirkungen. Kann die Übelkeit an den Topiramat liegen?
      Was würden Sie mir raten?

      Vielen Dank für Ihre Zeit

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:24 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Sabine,

          wenn Sie sowohl an Migräne als auch an Spannungskopfschmerz leiden, benötigen Sie einen Wirkstoff, der für beide Kopfschmerzformen vorbeugend wirksam ist. Dies gilt tatsächlich für Amitriptylin. Metoprolol, Venlafaxin und Topiramat haben keine belegte Wirksamkeit beim Spannungskopfschmerz. Es kommt bei Ihnen jedoch darauf an, welche Kopfschmerzform im Vordergrund steht, ob man spezifisch eine Wirkung bezüglich der Migräne erzielen will und wie das Gesamtbild aussieht. Möglicherweise ist bei Ihnen mittlerweile tatsächlich eine Attackenfrequenzsteigerung eingetreten, Sie haben an mehr als 10 Tagen im Monat die Erfordernis für Akutmedikation und es ist ein weiterer Kopfschmerz, der Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, zusätzlich eingetreten. Das verkompliziert die Behandlung noch mehr. Es ist jetzt zunächst notwendig, den Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu behandeln. Dann erst wieder wird die Ausgangssituation vorzufinden sein und es muss eine Behandlung sowohl für die Migräne als auch für den Spannungskopfschmerz aufgebaut werden. Dann kann auch wieder die frühere Wirkung von Amitriptylin zurückgewonnen werden. Die alleinige Dosierung von Saroten zur aktuellen Situation wird das Problem nicht lösen, da zunächst der Medikamentenübergebrauchskopfschmerz wirksam behandelt werden muss. Die Weiterführung von Topiramat allein wird das Problem aller Voraussicht nach auch nicht lösen.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

            • Profilbild von Sabine
              Sabine
              14. März 2016 um 18:31 Uhr – Bearbeiten

              Migräne steht bei mir im Vordergrund. Wegen der Nebenwirkungen würde ich gerne Topiramat beenden. Was meinen Sie dazu?

    1. Profilbild von Karin Sommer
      Karin Sommer
      14. März 2016 um 12:15 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor

      ich war vor 2 Jahren bei Ihnen in Behandlung und mir wurde auch von anderen Neurologen eine chronische Migraene diagnostiziert, die seit 12 Jahren besteht. Da ich saemtliche Medikamente zur Vorbeugung (Topiramat, Valproinsaeure, Betablocker, Doxepin) schon ausprobiert habe, nehme ich nun seit 3 Monaten abends Amitryptilin 25 mg. Anfangs nahm ich 10mg Amitryptilin, das hochdosiert wurde auf 25mg.
      Meine Frage ist nun, reichen 25 mg als Prophylaxe, oder sollte es noch hoeher dosiert werden?Denn bis jetzt bemerke ich noch keinen Unterschied bzgl der Anfaelle. Ein Muek ist ausgeschlossen.

      Vielen Dank
      Karin

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:25 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Karin,

          25 mg Amitriptylin gilt in der Regel als untere Dosierung. Bei guter Verträglichkeit und Anstreben einer höheren Wirkung kann auf mittlere Dosierungen von 50-75 mg aufdosiert werden. Manche Patienten benötigen auch Dosierungen bis zu 150 mg. Das Medikament wird ganz unterschiedlich aufgenommen, sodass es keine Standarddosierung gibt und man individuell die optimale Dosierung herausfinden muss.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Konstanze
      Konstanze
      14. März 2016 um 12:23 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Professor Göbel,

      ich habe zwischen 17 und 20 Migränetage im Monat (zusätzlich habe ich noch Epilepsie und Fibromyalgie). Z.Z. probieren wir Cefaly und Botulinumtoxin aus. Die erste Gabe von Botulinumtoxin erhielt ich vor zwei Monaten. Es hat sich nicht viel geändert. Wie viel Versuche gibt man diesem Medikament? Gibt es eine Alternative dazu?

      Vorab herzlichen Dank für Ihre Hilfe.
      Mit freundlichem Gruß
      Konstanze

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:27 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Konstanze,

          die Behandlung der chronischen Migräne mit Botulinumtoxin kann bei wiederholter Anwendung eine verbesserte Wirkung erzielen. In der Regel versucht man 2 oder auch 3 Zyklen. Wird dann jedoch keine Wirkung erreicht, sollte man diese Behandlung aufgeben. Es ist immer darauf zu achten, dass Botulinumtoxin allein eine Veränderung nicht herbeiführen kann, sondern auch immer eine intensive Anpassung des Verhaltens erforderlich ist. Im medikamentösen Bereich gibt es bei der chronischen Migräne derzeit keine zugelassene Alternative zu Botulinumtoxin.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Mani
      Mani
      14. März 2016 um 12:23 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Hr. Prof. Göbel
      War letztes Jahr in Februar in der Schmerzklinik Kiel , machte dort eine Medikamentenpause vom Triptan die ich zuhause noch 4 Wochen durch gehalten habe. Bekam nach der Entlassung von der Klinik dann Mirtazapin 15mgverschrieben, nahm die Tabletten ca. 6 Monate, zur Akutbehandlung bekam ich Relpax 40mg+Naproxen 500mg, die Schmerztage verringerten sich von vor der Pause von 15-18Tage auf ca. 8-10 Tage nach der Medikamentenpause, hatte aber immer noch das Problem das meine Migräne immer bis zu 72 Std. oder länger dauert, daher stellte mich Dr. Tomforde auf Naramig 2,5mg + Naproxen 500 bzw. auch auf Arcoxia90mg um da dieses Triptan eine längere Zeit anhalten sollte, funktioniert soweit manchmal gut. Außer dass das Naramig nicht so schnell wirkt (ist noch OK für mich) und der Wiederkehrkopfschmerz am dritten Tag stärker zurückkommt. Können sie mir da noch andere Möglichkeiten anbieten das der Wiederkehrkopfschmerz weniger wird, dann würden sichauch meine Schmerztage weiter reduzieren ? Ich kratze leider immer wieder die 10 Schmerztage an und das belastet mich sehr !

      LG aus Österreich

      Manfred

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:28 Uhr – Bearbeiten

          Lieber Manfred,

          Sie haben bereits ein sehr versiertes Therapieschema. Wenn mit diesem Vorgehen die Migränehäufigkeit unter 10 Tage gehalten werden kann, ist bereits ein wichtiges Ziel erreicht. Eine weitere Reduktion der Migränetage pro Monat müsste jetzt über eine Intensivierung der Vorbeugung angestrebt werden. Dies gilt sowohl für den Verhaltensbereich, als auch den medikamentösen Bereich. Bei guter Verträglichkeit könnte das Mirtazapin gesteigert werden. Alternativ könnte auch ein weiteres Medikament dazuaddiert werden. Dies muss jedoch durch individuelle Beratung genau überlegt werden.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von kopflottegr
      kopflottegr
      14. März 2016 um 12:23 Uhr – Bearbeiten

      Lieber Herr Göbel,

      meine täglichen Kopfschmerzen vom Spannungstyp gingen in den letzten Jahren immer häufiger bei nahezu allen Aktivitäten in Migräne über, so dass ich mich im Alltag mehr und mehr eingeschränkt fühlte. So hat man mich in der Profilaxe vor zwei Wochen nach vielen Jahren 150mg Venlafaxin auf Cymbalta (1 Wo 30 mg, nun 60 mg) – weiterhin zusammen mit Stangyl 25 mg – umgestellt.
      Sagt auch Ihre Erfahrung, dass dieses Medikament schmerzdistanzierender wirkt, weniger Nebenwirkungen haben könnte?
      Welchen Zeitraum schlagen Sie zur Erprobung vor?

      Viele Grüße nach Kiel

      kopflotte

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:28 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Kopflotte,

          die von Ihnen genannte Zusammenstellung ist in der Vorbeugung für den Kopfschmerz vom Spannungstyp bewährt. Sie muss jedoch konsequent durchgezogen werden. Ob Venlafaxin oder Cymbalta individuell besser wirkt, kann nur durch Beobachtung im Einzelfall festgestellt werden. In der Regel sollte man einen Zeitraum von mindestens 3 Monaten einräumen.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

            • Profilbild von kopflottegr
              kopflottegr
              14. März 2016 um 19:37 Uhr – Bearbeiten

              Vielen Dank für die Antwort!
              Ich vergaß danach zu fragen, ob ich nun noch vorsichtiger (= seltener) mein Triptan nehmen darf.

              Gruß kopflottegr

    1. Profilbild von Martina
      Martina
      14. März 2016 um 12:24 Uhr – Bearbeiten

      Lieber Herr Prof. Göbel,

      neben chron. Migräne und atypischen Gesichtsschmerzen leide ich an einem starken, schmerzhaften Restless-Legs-Syndrom.
      Wegen zweitgenannter Schmerzform und als Alternative zu Levodopa und Dopaminagonisten bzgl. des RLS will mir mein behandelnder Arzt ein Opiat verschreiben.
      Oxycodon hat in Studien ja bereits seine Wirksamkeit bei der Behandlung von RLS bewiesen; meine Frage an Sie lautet nun, ob noch alternative Opiate dafür zur Verfügung stehen. Es wäre auch wichtig für mich zu wissen, ob es unter den Opiaten Präparate gibt, die ein günstiges Nebenwirkungsprofil bzgl. Kopfschmerzen aufweisen.

      Ich bin schon sehr gespannt, Ihren fachlichen Rat zu hören und danke Ihnen ganz herzlich dafür.
      Mit freundlichen Grüßen

      Martina

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:29 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Martina,

          das Restless-legs-Syndrom würde man in erster Linie mit Levodopa behandeln. Wird damit keine ausreichende Wirksamkeit erzielt, können auch Opioide eingesetzt werden. Ein spezielles Opioid ist dabei nicht erforderlich. Man sollte darauf achten, dass es sich um ein retardiertes Präparat handelt. Bei fester Einstellung sollten dabei keine Komplikationen bezüglich der Kopfschmerzen auftreten.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Heike
      Heike
      14. März 2016 um 12:25 Uhr – Bearbeiten

      Guten Tag Prof Göbel,
      Krankengeschichte:
      Weiblich, 48 J., menstruelle Migräne seit 13 Jahren, bis vor 3 Jahren 1-2 Attacken monatlich, je Anfall wechselseitig, damals mit Thomapyrin erträglich.
      Seit 3 Jahren dauern einige Attacken bis zu 5 Tage und sind sehr heftig mit Erbrechen usw! (Hauptschmerzpunkt Austritt V1 Foramen frontale) Die 5-Tage Attacke ist meistens 6-18 Std unterbrochen und wechselt dann die Seite. Akkut-Therapie mit Triptan und Naproxen. Prophylaxe: Mag.600mg und Vit B2 200mg täglich.
      1. Frage: ist die „andere Seite“ eine neue Attacke oder eine Art Wiederkehrkopfschmerz?
      Die Schmerztage/Attackenfrequenz?? Liegt nun leider die letzten Wochen bei 13 Tagen, davon sind auch welche mit leichteren Schmerzen und welche vom Typ Spannungskopfschmerz (hatte ich seit Beginn der Migräne nie mehr). Ich hab auch das Gefühl alles hat keinen Zusammenhang mehr mit meinem Zyklus. Ich schaffe gerade so die 10/20 Regel. Naratriptan und Naproxen helfen gut. Die verordnete Prophylaxe mit Naproxen vor Mens ist mittlerweile wegen totaler Unberechenheit der Blutung unmöglich(fällt Wochenlang aus oder kommt 14 tägig).
      2. Frage: Meinen sie ich sollte Topimarat versuchen oder muss man dafür über 15 Schmerztagen liegen?
      3. Frage: Kann sich die menstruelle Migräne im Verlauf verändern? Mein Neurologe gab mir doch große Hoffnung auf Ausbleiben der Attacken nach der Menopause…
      Danke für ihre Mühen
      Heike

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:31 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Heike,

          ohne den Kopfschmerzkalender zu kennen und insbesondere ohne die regelmäßig Frequenz der Kopfschmerztage pro Monat zu wissen, ist die Frage nicht ohne weiteres zu beantworten. Wenn eine Migräneattacke über 5 Tage auftritt wird sie als sogenannter Status migränosus bezeichnet. Dieser wird anders behandelt als eine primär verlaufende Migräneattacke mit einer Dauer von maximal 3 Tagen. Wichtig ist vor allem, dass man nicht immer wieder trotz mangelnder Wirksamkeit ein Schmerzmittel einnimmt. Dies ist der typische Ausgangspunkt für die Entstehung eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch. In jedem Fall wäre es wichtig zu wissen, ob überhaupt kopfschmerzfreie Zeiten noch bestehen. Wenn eine Pause von nur 6-18 Stunden vorliegt, könnte es sein, dass Sie an täglichen Kopfschmerzen leiden. Hier wäre die ledigliche Einnahme eines Triptans und Naproxen nicht zielführend.

          Ein Wiederkehrkopfschmerz ist dadurch definiert, dass die primär eingesetzte Medikation den Kopfschmerz reduziert hat und dann der Kopfschmerz nach dieser Besserung wiederkehrt. Die genaue Einordnung kann nur mit dem Kopfschmerzkalender und der Kenntnis des genauen Verlaufes vorgenommen werden. Auch die Frage, ob es sich hier um eine neue Attacke handelt, kann nur dann geklärt werden, wenn man den weiteren Verlauf der Kopfschmerzen kennt.

          Erst jetzt lese ich, dass Sie offensichtlich nahezu jeden zweiten Tag Kopfschmerzen haben. Wahrscheinlich besteht bei Ihnen auch die Situation eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch, auch wenn Sie die 10-20-Regel noch einhalten. Es gibt Patienten, bei denen die Sensitivierung bereits bei 8 oder 9 Tagen im Monat auftritt. Klärung würde in Ihrem Fall eine diagnostische Medikamentenpause erzielen können. Im Anschluss daran könnte überlegt werden, wie die weitere Vorbeugung erfolgen soll. Es ist unwahrscheinlich, dass Topiramat ohne eine systematische Medikamentenpause den Verlauf verändert. Leider ist das Warten auf die Menopause keine gute Perspektive. Bei 50% bleiben die Attacken gleich, bei 25% verschlechtern sie sich, bei weiteren 25% verbessern Sie sich. Im Mittel also ist keine Änderung zu erwarten.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Hanni21
      Hanni21
      14. März 2016 um 12:26 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

      gerne würde ich heute Ihre Meinung zu den Einschätzungen bezüglich der psychosomatischen Komponente der Migräne der beide Ärzte Rüdiger Dahlke und Oliver Sacks hören. Die Bücher beider Autoren habe ich mit großem Interresse gelesen, mit manchen Dingen, wie z. B. der Triggerfunktion von emotionalem Stress kann ich mich identifizieren. Besonders aber von R. Dahlke fühle ich mit meiner neurologischen Erkrankung nicht ernst genommen und in die „Psychoecke“ gestellt. Wie hoch schätzen Sie den „Psychoanteil“ an der Migräne ein?
      Vielen Dank für Ihre Mühe und herzliche Grüße
      Hanni21

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:33 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Hanni,

          Oliver Sacks war Neurologe und hat sehr genaue Beschreibungen von Migräneauren, der Kopfschmerzphase und der zugrundeliegenden Mechanismen vorgenommen. Viele seiner Ergebnisse resultieren auf empirische Untersuchungen. Das Gehirn vermittelt Erkenntnis, Kognitionen und Gefühle. Kopfschmerzen entstehen im zentralen Nervensystem und können sowohl positiv als negativ von diesen Hirnleistungen beeinflusst werden. Die Bücher von Rüdiger Dahlke stellen die Krankheit als Symbol in den Mittelpunkt. Hier geht es um Themen wie Schicksalsgesetze und Lebensprinzipien. Weltanschauungen und Meinungen sind dafür die Basis. Diese lassen sich wissenschaftlich nicht überprüfen und sind daher nicht naturwissenschaftlich belegt.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Lora
      Lora
      14. März 2016 um 12:26 Uhr – Bearbeiten

      Sehr geehrter Herr Prof. Göbel,

      ich habe im Schnitt ca. 20 Kopfschmerztage pro Monat, als Prophylaxe nehme Topiramat 50 mg.
      Ich musste von 75 mg auf 50 mg reduzieren wegen den starken Nebenwirkungen (von der Wirkung her merke ich keinen
      Unterschied ob 75 oder 50 mg).

      Seit 1 Monat habe ich ein neues Problem bekommen: die Akutmittel helfen nicht mehr. Ich halte mich an 10/20 Regel und nehme
      Akutmittel an 4-6 Tagen pro Monat. Allerdings letzte Zeit ist es unmöglich Migräne zu beenden, selbst wenn ich z.B. 2x Sumatriptan 100 mg +
      Novalgin 500 mg nehme. Die Wirkung ist entweder minimal oder bleibt ganz aus. Die Migräne schaukelt zwischen Mittel – Stark – sehr Stark – Mittel bis zu 5 Tage.

      Von 1 bis 13 März war ich nur an 3 Tagen relativ kopfschmerzfrei. Wenn ich Info lese, sind meine Beschwerden ähnlich wie MÜK, obwohl ich keinen Medikamentenübergebrauch habe.
      Als Prophylaxen habe bereits: Amitriptylin, Duloxetin, Topiramat durch. Nichts hilft, bzw. die Wirkung lässt sehr schnell nach.

      Warum wirken die Akutmittel nicht? Was kann das sein?

      Vielen lieben Dank für Ihre Antwort!!
      Lora.

        • Profilbild von Hartmut Göbel
          Hartmut Göbel
          14. März 2016 um 18:34 Uhr – Bearbeiten

          Liebe Lora,

          Sie haben den Verlauf sehr gut beschrieben. Topiramat ändert in aller Regel nicht die Häufigkeit der Attacken, sondern kann oft nur die Intensität der einzelnen Attacken reduzieren. Das von Ihnen eingesetzte Akutmedikament scheint nicht ausreichend zu wirken. Sie schreiben, die Wirkung ist entweder minimal oder bleibt ganz aus. In dieser Situation ist es nicht sinnvoll, das Medikament erneut im Anfall einzunehmen. Es wird dann auch bei der Wiederholung nicht wirken. Genau diese Situation beschreiben Sie. Wenn man jedoch so vorgeht, wie Sie es beschrieben haben, wird die Konsequenz sein, dass man das Medikament ohne ausreichende Wirkung dann über 3, 4, 5 oder noch mehr Tage nimmt. Dies ist bereits der typische Weg in den Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Es muss daher ein Ersatzmedikament gefunden werden, das möglichst den Kopfschmerz effektiv kupieren kann. Tritt er dann erneut als Wiederkehrkopfschmerz auf, können Sie dieses Medikament wieder einnehmen, es ist dann auch eine Wirksamkeit zu erzielen. Unter der jetzigen Prophylaxe scheint es nicht zu funktionieren. Es sollte daher eine andere Vorbeugung gefunden werden. Möglicherweise besteht bereits eine Sensitivierung und der Medikamentenübergebrauchskopfschmerz hat bereits einen größeren Anteil eingenommen. Die von Ihnen genannten bisherigen Vorbeugungen müssen bezüglich der Dosierung und der Dauer neu evaluiert werden. Erst dann kann geklärt werden, ob tatsächlich keine Wirkung besteht. Erforderlich ist also der Neuaufbau einer Vorbeugung, zuvor sollte eine Medikamentenpause erwogen werden, schließlich müssen Sie die Regeln für die Akutmedikation genau kennen und umsetzen.

          Freundliche Grüße
          Hartmut Göbel

    1. Profilbild von Marlene
      Marlene
      14. März 2016 um 12:27 Uhr – Bearbeiten

      Lieber Herr Prof. Göbel,

      ich möchte mich heute noch einmal mit meiner Frage des letzten Chats an Sie wenden, da Ihre Antwort zwar sehr informativ war, aber leider meine eigentliche Frage nicht beantwortet hat. Diese bezog sich auf die Gabe eines retardierten Opiods aufgrund erhöhter Schmerzempfindlichkeit nach überstandener Migräneattacke. Ich füge die entsprechende Frage und Antwort hier noch einmal ein und würde mich freuen, wenn Sie mir für die geschilderte Situation einen Rat geben könnten.

      Lieber Herr Prof. Göbel,

      vielen Dank für die Möglichkeit, wieder eine Frage an Sie zu richten.
      Ich leide seit mehreren Jahren unter einem komplexen Schmerzsyndrom (chron. Migräne, neuropathische Schmerzen im Bereich des 2. Trigeminusastes, Kopfschmerzen vom Spannungstyp). Nach Migräneanfällen, die über mehrere Tage anhalten und kaum auf Triptane oder andere Schmerzmedikamente ansprechen (ein Mük ist ausgeschlossen), besteht eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Kopfes und die Schmerzstärke der weiteren Kopfschmerzformen, die übergangslos im Anschluss an die Migräne wieder auftreten, ist erheblich erhöht. Diese recht starken Schmerzen werden dann häufig zu einem erneuten Trigger für die nächste Migräneattacke.
      Als Migräneprophylaxe nehme ich Amitriptylin; weitere Prophylaxen (z.B. Betablocker, Topiramat, Botox und entsprechende Empfehlungen) habe ich im Laufe der Jahre ausprobiert, sodass eine weitere Optimierung der Migräneprophylaxe ausgeschlossen ist. Empfohlene Verhaltensmaßnahmen (z.B. Entspannungsverfahren) halte ich konsequent ein.
      Mein Schmerztherapeut schlägt vor zu versuchen, die Migräne unabhängigen Schnerzen durch die tägliche Einnahme eines retardierten Opioids zu mildern, damit sie nicht mehr zum Migränetrigger werden können. Die Einnahme von Lyrica, Gabapentin und Carbamazepin hat bzgl. dieser Schmerzen keine Schmerzreduzierung bewirkt.
      Meine Frage an Sie wäre nun, ob retardierte Opioide in diesem Fall und besonders in der schmerzempfindlichen Phase direkt nach der Migräne hilfreich sein könnten, um so meine Gesamtsituation zu verbessern.

      Danke für Ihre Mühe und liebe Grüße an das gesamte Team.
      Marlene

      Hartmut Göbel 11. Januar 2016 um 18:00 Uhr
      Liebe Marlene,

      der Einsatz von retardierten Opioiden zur Migräneprophylaxe lässt sich durch wisse