Migräne ist eine neurologische Erkrankung. Den meisten Betroffenen sieht man die Krankheit nicht an, außer, man trifft sie im akuten Anfall. Migräne, insbesondere die chronische Migräne, ist kein simpler Kopfschmerz, sondern eine der schlimmsten Schmerzzustände, die Menschen heimsuchen. Besonders Frauen sind sehr schwer betroffenen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Migräne zu den am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen. Manchmal beginnt die Attacke mit Aura-Symptomen, das sind neurologische Ausfälle wie flimmernde Sehstörungen, Wortfindungsstörungen, Sprachstörungen, Kribbel-Missempfindungen, Lähmungen und Störungen der Wachheit bis zur Bewusstlosigkeit. Es folgen die typischen meist einseitigen, stechenden, hämmernden, pulsierenden schweren Kopfschmerzen, welche bis zu drei Tage anhalten und Bettlägerigkeit erzwingen. Der gesamte Körper ist dabei in Mitleidenschaft gezogen: Zusätzlich leiden die Erkrankten unter Übelkeit und/oder Erbrechen, Schwindel, Erschöpfung, Licht- und Lärmüberempfindlichkeit, sozialer Isolation, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und Depression. Migräne ist eine eigenständige primäre Erkrankung und nicht das Symptom einer anderen Störung. Betroffene sind weder arbeitsunwillig, psychisch krank noch suchen sie nach Aufmerksamkeit. Sie erwarten nur, sich nicht rechtfertigen zu müssen, nicht belächelt und nicht durch Vorurteile diskriminiert zu werden. Drei betroffene Menschen schildern im Videobeitrag ihre Erkrankung.
Ich habe seit meinem 11.Lebensjahr Migräne, mittlerweile bin ich 43. In den letzten 7 Jahren hat sich die Migräne verschlimmert, die Reizschwelle wurde extrem tief. Ich hatte zweimal wöchentlich Anfälle, welche bis 72 Stunden andauerten. Die Triptane halfen immer weniger, haben nur noch die Schmerzspitzen genommen. Nun beginnt sich jedoch das Blatt zu wenden. Ich bin seit drei Monaten krank geschrieben und habe Zeit mir eine neue Lebensführung einzuführen und zu verankern. Es sind verschiedene Stellschrauben die ich bewege. Zunächst wurde ein Blutbild gemacht. Ich fülke seit ein paar Wochen sämtliche Depots auf, wo ein Mangel festgestellt wurde. Eisen, Vitamin B12, Vitamin D. Des Weiteren nehme ich prophylaktisch hochdosiertes Magnesium zweimal täglich und zweimal täglich Vitamin B2(Riboflavin). Ich gehe zu einer Osteopathin und praktiziere täglich PMR. Zwei bis dreimal wöchentlich gehe ich ins Fitnessstudio und mache Kraftraining und Cardio. Nach jedem Kraftgerät mache ich Entspannung wie beim PMR. Ich achte darauf regelmässig zu essen und genug zu trinken. Und es beginnt allmählich zu greifen. Die Abstände zwischen den Anfällen werden grösser und die Attacke dauert nicht mehr so lange. Es ist spürbar wie die Reizschwelle ansteigt. Ich halte wieder mehr aus, wage es wieder mehr auszuloten, wie z.B. ein Gläschen Prosecco oder etwas kleines histaminhaltiges zu essen, ohne, dass ich gleich wieder Migräne befürchten muss. Ich bin wieder auf dem Weg in die andere Richtung. Mein Körper fängt wieder an, zu kooperieren statt zu protestieren. Ich schule mein autonomes Nervensystem darauf, nach Aktivität/Stress loszulassen, das fehlt ja bei chronischer Migräne oft: Das Umstellen in den parasympathischen Modus. Mein Wunsch ist es, die Migräne soweit runter zu reglieren, dass im besten Fall nur noch die Veranlagung bleibt oder ein paar wenige Anfälle pro Jahr wie früher. Aber eines ist klar: ohne Krankschreiben über diese lange Zeit wäre es unmöglich gewesen umzulernen und das Zepter wieder in die Hand zu bekommen. Und ich bin ja noch nicht fertig, es muss sich noch längerfristig stabilisieren. Ich war jedenfalls seit Jahren nicht mehr so zuversichtlich und in einer solch hohen Erwartungshaltung! Bei mir war schon die Rede von Teilrente oder beruflicher Neuorientierung! Jetzt habe ich plötzlich wieder so viel Energie durch weniger Schmerztage. Ich bin so dankbar trägt mein Weg endlich Früchte!
Hallo,
Ich leide seit bereits seit 10 Jahren (8. Lebensjahr) an chronischer Migräne. Zuerst stand die Diagnose: Spannungskopfschmerzen. Doch mit Beginn der Pubertät hat es sich verschlimmert – vorallem unter Stress.
Selbst meine Eltern hatten die ersten paar Jahre meine Kopfschmerzen nicht ernst genommen, bis ich anfing mich zu übergeben und das heftige Stechen mir kaum noch einen normalen Alltag erlaubt hat. Auch fühlte ich mich oft isoliert, da niemand meine Schmerzen nachvollziehen konnte. Ich begann mehrmals in der Schule zu fehlen und fühlte mich nicht gleichberechtigt. Während andere genügend Zeit hatten, um sich auf Klausuren vorzubereiten lag ich im Bett und wartete darauf, dass der Schmerz abklang. Natürlich musste ich alles nachholen – also raubte es mir meine Freizeit. Während andere ins Kino, Feiern und raus gehen konnten, muss ich darauf verzichten, da es meine Migräne triggern würde.
Ich habe ein halbes Jahr als Prophylaxe Beta-Blocker eingenommen. Meine Kopfschmerzen schienen weniger zu werden, der Schmerz gedämpfter und so auch das Leben leichter.
Dann sagte man mir, dass jedoch die Ergebnisse keine große Veränderung aufwiesen. Ich hatte mir eine Besserung eingebildet. Die Prophylaxe hatte mir bloß eine psychische Versicherung gegeben.
Ich suche immer noch nach einer Lösung für meine chronische Migräne.
Hallo, ich habe seit meiner Kindheit Migräne. Seit vielen Jahren leide ich unter bis zu 25 Migränetagen im Monat mit zum Teil heftiger Aura. An den wenigen migränefreien Tagen bin ich vollkommen schmerzfrei und weiß wie schön das Leben sein könnte. Auch mehrere Schmerzmittelentzüge, in denen ich durch die Hölle gegangen bin, weil ich die Migräne ohne,,Fallschirm” ertragen habe, waren erfolglos. Ansonsten habe ich alle medikamentösen und alternativen Methoden ausgeschöpft und nehme jetzt nur noch Metoprolol und Amitryptillin. Etliche Begleiterkrankungen schließen eine Botoxbehandlung und eine Nervenstimulation aus. Mein Lebensmut ist mittlerweile häufig auf dem Tiefpunkt. Und nach wie vor muss ich mich bei den meisten Mitmenschen, selbst Ärzten rechtfertigen, welche meinen, ich hätte ja nur ein bisschen Kopfschmerzen. Das ist eigentlich das Schlimmste, die tägliche Demütigung der Erklärungen, während im Kopf der helle schmerz tobt und man trotz Heißhunger erbricht und man wieder mal auf ein Triptan verzichtet hat, um ja nicht daran Schuld zu sein, wenn noch ein Medikamentenkopfschmerz dazu kommt. Zum Glück habe ich einen wundervollen Mann. mit dem ich die wenigen Stunden genieße und für den ich durchhalte. Trotzdem weiß ich, dass ich sein Leben mit meiner Krankheit auch sehr belaste.
Ich wünsche alle Betroffenen, dass es vielleicht mal ein Mittel gibt, welches den Schmerz an triptanfreien Tagen lindert und ich wünschen allen eine bessere Akzeptanz bei Kollegen, Freunden und auch Ärzten. Und ich wünsche Euch ebenfalls einen Menschen an der Seite, welcher die Vorteile eine Migränikergehirns kennt und liebt.
Hallo,
mir es geht es seit 12 Wochen so, abends geht es mir prima, morgens gegen 4 Uhr schlafe ich unruhiger, wache aber leider nicht auf. Um 7 Uhr klingelt der Wecker und die Migräne ist in vollem Gang. Ich muss solange erbrechen, bis nur noch Galle kommt. Da es keine MCP Tropfen mehr gibt habe ich nun Motilium Tropfen bekommen. Das hilft gut und nach 20-30 Minuten nehme ich dann eine Rizatriptan 10mg Schmelz-Tablette. Als Prophylaxe habe ichnun Beta-Blocker bekommen. Ich war bei Fachärzten für Schmerz Diagnostik, alle habe mich als Depressiv abgestempelt und wollten mir Psychopharmaka verschreiben, was ich ablehnte. “Ja dann kann ich ihnen auch nicht helfen”… tolle Fachärzte. Ich habe 1-2 Anfälle pro Woche und habe nun Angst um meinen Arbeitsplatz, mein Arbeitgeber hat Verständnis, aber wie lange noch ?
Ihr Buch Herr Hartmut Göbel habe ich mir gerade gekauft und bin schon eifrig am Lesen. Ich wünsche allen Betroffenen, dass wir alle endlich die richtigen Ärzte finden, die uns auch helfen können!