Hermann Anschütz-Kaempfe, eigentlich promovierter Kunsthistoriker, entwickelte mit dem Kreiselkompass ein elektromechanisches Instrument, das unabhängig vom Erdmagnetfeld auch in Unterseebooten mit kompletter Metallhülle die Nordrichtung ermitteln kann. Er errichtete dazu ein Entwicklungsgebäude und ein Fabrikationswerk auf dem Grundstück der heutigen Schmerzklinik Kiel am Heikendorfer Weg 9-27. In einem Patentstreit wurde 1915 Albert Einstein (Nobelpreis 1921 für Verdienste um die Theoretische Physik und besonders für seine Entdeckung des Gesetzes des photoelektrischen Effekts) als Gutachter vom Gericht berufen. Die beiden Genies freundeten sich an.

Einstein und Anschütz-Kaempfe korrespondierten zwischen 1915 und 1926 regelmäßig miteinander. Sie tauschten sich hierbei neben technischen Problemen bei der Entwicklung des Kreiselkompasses auch über private Themen oder das Weltgeschehen aus. Aus diesem Schriftwechsel geht unter anderem hervor, dass Einstein mithalf, den Kreiselkompass zu verbessern. Ergebnis war der Kugelkompass, an dessen Patent von 1922 Einstein Anteile erhielt. An den Patentrechten verdiente er zeitweise mehr als durch seine Tätigkeit als Professor. Immer häufiger weilte Albert Einstein am Heikendorfer Weg an der Schwentine-Mündung und erhielt von Hermann Anschütz-Kaempfe eine Wohnung am Heikendorfer Weg 23.

Bereits 1920 durfte Einstein aufgrund seiner Religionszugehörigkeit seine Relativitätstheorie nicht an der Universität zu Kiel vortragen. Die Universität weigerte sich darüber hinaus, Einsteins Arbeit überhaupt anzuerkennen. Der Vortrag fand daraufhin im Kieler Gewerkschaftshaus statt und war nicht nur Wissenschaftlern, sondern allen Interessierten zugänglich. Nachdem der Nobelpreisträger aufgrund des stärker werdenden Antisemitismus in Berlin nicht mehr bleiben wollte, erwog er, sein Wirken in Kiel am Heikendorfer Weg fortzusetzen. Er entschied sich nach reiflichen Überlegungen jedoch dagegen. Viele Anlässe erweckten auch in Kiel die Sorge vor antisemitischen Übergriffen. Einstein entschied sich gegen einen eigentlich geplanten Kauf der Esmarch-Villa in Kiel-Düsternbrook.

1926 hielt sich Albert Einstein zum letzten Mal in Kiel auf und verließ 1932 Deutschland für immer. So sah er seine „Diogenes Tonne“, wie er seine geliebte Unterkunft am Heikendorfer Weg nannte, nie mehr wieder. 1965 wurde das Haus am Heikendorfer Weg 23 abgerissen. In der Innschrift zum Denkmal, geschaffen von Jörg Plickat, heißt es dazu „Einstein liebte Kiel und das Segeln, aber er war, obwohl bereits berühmt, aufgrund des vorherrschenden Antisemitismus nicht willkommen.“ Raytheon Anschütz GmbH hat nach dem Krieg die Produktion des Kreiselkompasses und anderer Instrumente in die Zeyestr. 16-24 am Kiel Kanal verlegt. Das denkmalgeschützte Gebäude am Heikendorfer Weg 9-27, der Ort an dem Anschütz-Kaempfe und Einstein wirkten, ist heute Klinikgebäude der Schmerzklinik Kiel.

Das Denkmal wurde von dem Bredenbeker Bildhauer Prof. Jörg Plickat geschaffen.
www.plickat.com

Die Finanzierung des Denkmals wurde ermöglicht durch den Verein zur Errichtung eines Denkmals der Kieler Kreiselkompass-Erfinder Einstein und Anschütz-Kaempfe e.V. aufgrund des großen und langjährigen Engagements des 1. Vorsitzenden Dr. med. Redelf Habben, Kiel.
www.anschuetz-einstein.de

A monument for Hermann Anschütz-Kaempfe and Albert Einstein

Hermann Anschütz-Kaempfe, who actually had a doctorate in art history, developed the gyrocompass, an electromechanical instrument that could determine the north direction independently of the earth’s magnetic field, even in submarines with a complete metal hull. For this purpose, he built a development building and a manufacturing plant on the site of today’s Kiel Pain, Migraine and Headache Center at Heikendorfer Weg 9-27. In a patent dispute, Albert Einstein (Nobel Prize 1921 for services to theoretical physics and especially for his discovery of the law of the photoelectric effect) was appointed as an expert witness by the court in 1915. The two geniuses became friends.

Einstein and Anschütz-Kaempfe corresponded regularly between 1915 and 1926. In addition to technical problems in the development of the gyrocompass, they also exchanged views on private topics and world events. This correspondence shows, among other things, that Einstein helped to improve the gyrocompass. The result was the spherical compass, in whose patent of 1922 Einstein received a share. At times, he earned more from the patent rights than from his work as a professor. Albert Einstein stayed more and more often at Heikendorfer Weg at the mouth of the Schwentine River and received an apartment at Heikendorfer Weg 23 from Hermann Anschütz-Kaempfe.

As early as 1920, Einstein was not allowed to present his theory of relativity at Kiel University because of his religious affiliation. Moreover, the university refused to recognize Einstein’s work at all. The lecture was then held at the Kiel Union House and was open not only to scientists but to all interested parties. After the Nobel laureate no longer wanted to stay in Berlin due to growing anti-Semitism, he considered continuing his work in Kiel on Heikendorfer Weg. After careful consideration, however, he decided against it. Many occasions aroused concern about anti-Semitic attacks in Kiel as well. Einstein decided against an actually planned purchase of the Esmarch villa in Kiel-Düsternbrook.

In 1926 Albert Einstein stayed in Kiel for the last time and left Germany for good in 1932. Thus he never saw his „Diogenes Tonne“, as he called his beloved accommodation on Heikendorfer Weg, again. In 1965, the house at Heikendorfer Weg 23 was demolished. The inscription to the monument, created by Jörg Plickat, states that „Einstein loved Kiel and sailing, but he was not welcome, although already famous, because of the prevailing anti-Semitism.“ Raytheon Anschütz GmbH moved production of the gyrocompass and other instruments to Zeyestr. 16-24 on the Kiel Canal after the war. The listed building at Heikendorfer Weg 9-27, the place where Anschütz-Kaempfe and Einstein worked, is now the hospital building of the Kiel Pain, Migraine and Headache Center.

The monument was created by the Bredenbek sculptor Prof. Jörg Plickat.
www.plickat.com

The financing of the monument was made possible by the Association for the erection of a monument to the Kiel gyrocompass inventors Einstein and Anschütz-Kaempfe e.V. due to the great and long-standing commitment of the 1st chairman Dr. med. Redelf Habben, Kiel.
www.anschuetz-einstein.de

Links
Zeitskala zum Leben von Dr. Hermann Anschütz-Kaempfe und Entwicklung der Firma Anschütz
Gutachten von Albert Einstein im Patentstreit Anschütz-Kaempfe vs. Sperry vor dem Landgericht Kiel
Der Anschütz-Kaempfe Trough wurde nach Dr. Anschütz-Kaempfe benannt. Es ist ein Seebecken in der Lasarew-See vor der Prinzessin-Martha-Küste des ostantarktischen Königin-Maud-Lands.
Wikipedia Dr. Hermann Anschütz-Kaempfe
Wikipedia Prof. Albert Einstein
https://dewiki.de/Lexikon/Kreiselkompass

Das Video zeigt die Schwentine-Mündung in die Kieler Förde mit dem Gelände am Heikendorfer Weg 9-27. Hier wirkten Albert Einstein und Hermann Anschütz-Kaempfe. Regelmäßig weilte Albert Einstein hier am Heikendorfer Weg und erhielt von Hermann Anschütz-Kaempfe eine Wohnung am Heikendorfer Weg 23.